Ein Tag ist es nun schon wieder her. Ein Tag wie gestern, welcher Deutschland und die USA wieder mal veränderte. Ein Tag, wo 26 unschuldige Menschen ihr Leben verloren. Ein Tag, der das ach so einfache Wort „Wieso?“ wieder in vollem Umfang hinterfrägt. Ein Tag, wo die Angst wieder über einen kommt, die Angst der Eltern, die Angst der Schüler, aber auch die Angst der Lehrer. Was kann man dagegen machen? Wie kann man sich dagegen bereits im Vorraus absichern? Viele Fragen wurden uns wieder vor den Füßen geworfen, jedoch nur wenige sind richtig beantwortbar.
Ist es auch die Pflicht der deutschen Schulen, über so ein Ereignis zu sprechen? Am besten noch am gleichen Tag, oder doch erst am nächsten Schultag? Soll es der Schüler gleich schnellstmöglich erfahren, oder soll er Ahnungslos nach Hause gehen und dort die schlimme Nachricht erst Stunden später wahr nehmen?
Wie soll man damit umgehen? Ist es in der aktuell so technisch fortgeschrittenen Welt noch möglich, so ein Ereignis bis zum Schulende zu verheimlichen? Schwer vorzustellen, auch wenn seit Jahren ein absolutes Handyverbot an deutschen Schulen herst. Nur wer hält sich daran? KEINER, und das ist auch gut so, wie man am gestrigen Tag wieder feststellte. Einige Schüler der Realschule in Winnenden blogten, bzw. twitterten die Ereignisse in der Schule live mit. Andere gaben mit ihren Handys der Polizei vielleicht wertvolle Hinweise, wo sich der 17-jährige Amokschütze aktuell aufhält. Dies alles wäre mit einen strikten Handyverbot nicht möglich gewesen.
Ich habe von dem Ereignis in Baden-Württemberg erst erst gegen 16:30 Uhr mitbekommen. Wieso erst so spät, werden sich wohl einige Fragen, obwohl ich technisch ja, im Gegensatz zu anderen, 1a ausgestattet bin. Eigentlich ganz einfach zu erklären. Gegen 9:00 Uhr besuchte ich das letzte mal die tagesschau.de-Internetseite. Dort natürlich die Berichte über den Amoklauf im US-Südstaat Alabama begegnent. Gegen 10:45 Uhr überflog ich dann nur schnell, mit Hilfe meines Handys, die Feedüberschriften von einigen Newsseiten, wie spiegel.de, welt.de oder auch tagesschau.de. Ich wusste ja das es einen Amoklauf gab, deswegen habe ich die Überschriften nicht als besonders neues und wichtiges angesehen, was leider nicht der Fall war. Gut ich wunderte mich schon etwas über die Häufigkeit, dieser identischen Feedmeldungen, jedoch verschwand mein Handy dann schnell wieder in der Hosentasche. Da gleich in der nächsten Stunde Lehrprobe einer unser Referentare stattfand.
Dort war natürlich striktes Handyverbot (also eben lautlos in der Hosentasche, jedoch nie während der Stunde rausnehmen!). Wieder 45 Minuten ohne richtige Infos. Bis zu dem Punkt verstand ich noch alles. Eine Lehrprobe ist wohl das wichtigste im Leben, bis jetzt, für den Referentar, deswegen wäre so eine Nachricht nicht grad das Beste für diese Stunde gewesen. Aber danach, der Amoklauf war bereits wieder über 2 Stunden her, die Newsseiten meldeten neue Bericht was das Zeug hält. Wieso druckt man nicht einen dieser Berichte aus, kopiert diesen und bespricht ihn mit der Klasse. Ganz aktuell und ohne viel drumherrum. Ist das den so schwer? Ich bemängel oft, dass die Schule einfach zu unaktuell ist, nur hier hat sich das wieder mehr als eindeutig bestätigt.
Den ganzen Nachmittag über bekam ich keine neuen Nachrichten und Sonstiges zu Gesicht. Bis 16:30 Uhr. Als ich durch Zufall beim Einrichten meiner Receiver bei N-TV vorbeizappte. Erst exakt zu diesem Zeipunkt, wurde es mir klar, was im Nachbarbundesland an diesem Tag geschah.
Am nächsten Morgen ging’s wieder Richtung Schule, die Bilder von Winnenden noch im Kopf. Vor der Schultür dann die ersten zweifelhaften Fragen, könnte so etwas auch hier passieren, was soll man während eines Amoklauf’s tun? Fragen über Fragen, aber wir hatten ja keine Wahl, also schnell hoch ins Klassenzimmer ( 4. Stock
), noch etwas das Fach der 1. Stunde anschauen und los geht’s.
Mit was?
Ein paar Sätze zu gestern, oder einfach mit dem Unterricht weiter machen? Was ist nun das Richtige. Ich würde das Erstere für besser halten, jedoch kam natürlich das Zweitere. Immer wieder ging eine bzw. einer zur Toilette raus. Immer wieder ging die Tür auf und zu, heute knapp 20x. 20 mal, wo man innerlich leicht zusammenzuckte, mit der Angst, wer kommt da nun rein, wer ist das vor der Tür, was passiert in den nächsten Sekunden, usw. Fragen, die nach so einen Ereignis wieder in den Hinterkopf kommen und wohl noch länger da bleiben.
Erst unsere 3. Lehrkraft hatte den Mut, wenn man es so nennen kann, mit uns knapp 30 Minuten über das Ereignis von gestern zu reden bzw. über Lösungsvorschläge, wie man so etwas verhindern kann, zu diskutieren. Nur eine Lehrkraft, hat die Aktuallität den Lehrstoff vorgezogen, ist das wirklich der Sinn der Schule? Wohl eher nicht, oder doch?
