Der Schlusslichtbereich von Tagesschau.de ist eigentlich immer ein Blick wert, aber heute ist es wirklich mehr als nur der eine Blick wert. U. a. Korrespondentin Kerstin Zilm von DLR/DLF begutachtete heute, anläßig des 12. Berliner Tourismusgipfels, von 5 Ländern Reiseführer, wie diese so über Deutschland denken. Gut, diese sind nicht die neuesten Auflagen, jedoch gibt so etwas doch immer wieder einen guten Überblick, wie das Ausland über uns denkt.
Angefangen mit Teil 1, über die USA, so schreibt man dort, dass man in Deutschland nur mit Grund lächelt. Also haben wir eine durchaus pessimistische Einstellung, warnt uns dieser US-Reiseführer und so unrecht hat er eigentlich gar nicht. Wenn man lächelt bzw. lacht, dann findet man doch auch einen Grund.
Weiter heißt es dass uns der Autor dazu rät, auf „Wie geht’s?“ genauso wie auf „Einen schönen Tag“, vom amerikanischen „Have a nice day“ abgewandelt, zu verzichten. Ist zwar nun alles schön und gut, jedoch stimmt dies nicht ganz. Vorallem in Chaträumen bzw. ICQ wird oft „Und wie geht’s“ geschrieben, jedoch bekommt man da oft nur als Antwort „Geht schon, gut oder halt scheiße“, dass stimmt wiederum mit dem nächsten Punkt vom Autor über ein: „Deutsche hassen Geschwätz“ auch das es einen eigentlich egal ist, ob er einen guten oder schlechten Tag hat, stimmt überein, aber man frägt halt, zumindest wenn man frägt, der Höfflichkeit wegen.
Dann mal was wirklich interessantes:
„Deutsche verabscheuen Regelverstöße“, warnt ein anderer Reiseführer. „Wer zum Beispiel auf Rolltreppen nicht wie vorgeschrieben rechts steht, wird angerempelt, umgerannt und angebrüllt.“
Ob er gleich angebrüllt wird, wage ich zu bezweifeln, jedoch macht man sich schon irgendwie aufmerksam, wenn die komplette Rolltreppe frei ist und 2 (meistens ältere Leute) meinen, sich über die komplette Breite auf einer Stufe breit zu machen. Ob man sie dann anrempelt, anbrüllt oder sogar umrennt, glaube ich nicht, zumindest würde ich soetwas nie machen. Ich nehm mir dann einfach die Zeit und bleib hinter den Schläfern reumütig stehen, natürlich auf der linken Seite, um zu signalisieren, dass ich bei denen endlich vorbei will, dies ich dann bei der nächsten Möglichkeit in die Tag umsetze.
Autos und Hunde sind in Deutschland heilig??? Autos aufjeden Fall, aber Hunde??? Keine Ahnung ich hab keinen und werde wohl auch nie einen haben, dies wurde mir aber mehr oder weniger in die Wege gelegt, dass ich mir nie einen zulegen kann/darf. Dann noch der vorletzte Punkt, wir und die Wurst, diese man zur Not auch ohne Brot isst. Wieso zur Not, man(n) braucht doch keine Brot damit eine Wurst schmeckt. Im Gegenteil, es ist mir sogar meistens lieber, bewusst auf das Brot zu verzichten, aus anderen persönlichen Gründen, aber ich hoffe mal, dieses Problem gilt nicht für die Mehrzahl der 82,6 Millionen Deutschen Staatsbürger.
Das wars jetzt erstmals mit’n Schlusslicht über die USA-Reiseführer, weiter geht’s mit China, dem Land der Olympischen Sommerspiele 2008.
Dort heißt es: Komplimente sind eine Beleidigung für Deutsche. Naja, kommt drauf an was für welche und zu welchem Anlass. Weiter heißt es, dass man in der Öffentlichkeit nie flüstern sollte, dass mache uns nur Misstrauisch. Aha, Misstrauisch soll dies machen, wirklich? Es ist schließlich nichts ungewöhnliches, wenn 2 jüngere weibliche Mitmenschen sich was zuflüstern, passiert hier alle Tage. Jedoch ist es schon etwas komischer, wenn sich mittelältere Frauen und männliche Mitmenschen sich was zuflüstern. Wenn dann eher kurz von der Gruppe weggehen und es etwas leiser normal sagen, aber nicht zum Ohr hingehen und ganz leise dort was reinflüstern. Sowas ist wie das Händchen halten, eine rein weibliche Angwohnheit. Wenn 2 Männer Händchen halten würden, hieße es gleich (ggf. zurecht) sie wären schwul, bei 2 Frauen ist soetwas jedoch nichts ungewöhnliches und keinen stört es wirklich, zumindest mir nicht.
Man sollte Deutsche auch nie anstarren, heißt es weiter, dies bedeutet, man hätte was gegen Sie. Hhm, dieser Satz hat irgendwie was wahres. Oder ist es euch Recht wenn euch jemand bemerkbar die ganze Zeit anstarrt??? Mir nicht, anschauen wenn man mit einen redet ist was anders, aber dann dauerhaft auch danach und davor, regelrecht mit den Augen einen verfolgen??? Nein, danke.
Milch zum Frühstück? Pfui Teufel
Hier hat das in Nanjing erschienene Buch „Deutschland für Insider“ recht, Milch zum Frühstück? Pfui Teufel! Zumindest gilt dies auch für mich, aber hej, ich trink auch keinen Kaffee und andere könnten sicherlich dafür sterben . Also wer meint, mit Milch zum Frühstück besser durch den Tag zu kommen, der soll seine Dosis Milch am Tag halt einfach weiterhin trinken. Jetzt wo sich der Milchpreis wieder stabilisiert hat, ist dies doch kein Problem.
USA, China, jetzt kommt Japan. Natürlich geht’s hier um unsere Autos. So werden wir dort gleich mit „Autokönigreich Deutschland“ angesprochen und jeden Japaner das Fahren auf deutschen Straßen ans Herz gelegt. Wir halten uns nämlich alle so gut an die Verkehrsregeln (Naja, bei den Geschwindigkeitsbegrenzung fährt das Großteil mindestens 10 km/h zu schnell, ich nicht), dass es überhaupt keine Probleme geben sollte, gut die Verkehrschilder zu entziffern, könnte für die Japaner ein kleines Problem sein, aber naund, die Zahlen kann man doch lesen und ob man nun nach Hamburg will und nach München fährt, ist doch scheißegal. So lernt der Japaner zumindest die Deutsche Landschaft kennen und unterstützt auch noch die Deutsche Wirtschaft durchs unplanmäßige Tanken, was wiederum Steuergeld abwirft. Auf Vox kam mal vor Jahren eine Reportage über das Thema, dass in Japan extra Reisen nach Deutschland angeboten werden, um mal mit 200 km/h auf ner Autobahn zu fahren. Mein Topwert liegt zwar noch etwas drüber, bei ca. 225 km/h, mit der Fahrschule
und natürlich zwischen Erlangen und Bamberg auf einer nicht beschränkten Autobahn, aber wieso mal nicht einmal im Leben aus’s Gaspedal richtig drauf drücken. Ich glaub in Japan darf man nur mit 100 km/h auf den Straßen fahren, also kein Wunder.
Neben den Autobahnen wird hier auch noch das gute, traditionsreiche Deutsche Bier ans japanische Herz gelegt. Jaja, das gute Deutsche Bier, mit Ausnahme einiger Brauereien, Namen will ich jetzt hier keine nennen, die aber alle noch besser schmecken als etliche ausländische Brauereien (die ich schon probiert habe), kann man dies Aussage des Reiseführers schon mit einen „Recht hast“ nur mehr als bejaren. Er weist auch noch ausdrücklich darauf hin, dass es nicht nur auf’m Oktoberfest Bier gibt, sondern überall und man sollte sich doch mal auf eine „Bier-Tour“ begehen dazu jedoch die 3 Begriffe „Guten Tag, Dankeschön und Prost“ erst vorher etwas lernen, damit man sich ja auch etwas unterhalten kann
.
Bis jetzt hat mir die Japanische Beschreibung am besten gefallen, aber es kommen ja noch 2, weiter geht’s mit Spanien, wo ich erst letzten Sommer war, vielleicht stell ich auch mal ein paar Bilder online, mal schau’n.
Im Spanischen Reiseführer wird erstmals aufs Deutsche Wetter eingegangen. Man sollte mit allem rechnen, Regen, Sonnenschein und sogar Schnee. Ok, ich gibt’s ja zu, auf Schnee im Sommer weist uns dieser Reiseführer nicht hin, jedoch auf sehr wechselhafte Bedingungen, dass das Wetter innerhalb von Minuten von 35°C Sonnenschein auf 10°C Regen wechseln kann, usw.. Weiterhin wird angemerkt, sollte man in Deutschland essen gehen, den Satz “Stimmt so“ zuvor zu paucken. Denn in Spanien zahlt man erstens nie getrennt, sondern gemeinsam (auch neu für mich), sondern lässt das Trinkgeld auch einfach auf dem Tisch liegen.
Vor der Abfahrt nach Deutschland sollte man das Hände schütteln trainieren, denn sowas kennen die Spanier nicht so richtig. Nicht das im Nachhinein noch die Hand abfällt
. Der letzte Punkt ist natürlich der Wein, in Spanien wird dieser u. a. in 10 Liter Kanister im Supermarkt (z. B. Aldi Nord) verkauft und aus normalen Gläsern getrunken, in Deutschland hingegen eigentlich nur in Flaschen gekauft und mit Weingläsern getrunken.
Im 5. Teil, diesmal über Großbritanien unterrichtet uns nun Alfred Schmit, vom SWR, über die Verhaltenstipps für Deutschlandreisende auf der Insel. Hier wird erstmals aufs Bier eingegangen, die Qualität und Auswahl, wären weltweit einmalig, Recht hat er, mit 1200 Brauereien ist Deutschland eben ein Biertrinkerparadies. In Bamberg gab’s mal das Bierdioplom, dies bedeutete, man hätte von jeder Brauerrei 1 Bier an einen Tag trinken gemüsst, von jeder Brauerei hat man dann einen Stempel bekommen und am Ende eine Urkunde mit dem Bamberger Bierdiplom. Leider wurde es dann abgeschafft, weil sich immer mehr bei den letzten Gaststätten übergeben haben. Inoffiziel kann man dies natürlich weiterhin machen, am besten mit Errinnerungsfoto in jeder Brauerei. Das Bier in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz soll laut den Britten auch süßer und sanfter sein, kann ich jedoch weder bejaren noch beneinen. Habe noch nie ein Badenwüttenbergisches Bier getrunken, aufjeden Fall nicht bewusst, vielleicht sollte ich dies auch mal nachholen, aber Bamberger Bier schmeckt doch super, also gibt’s keinen Grund zu wechseln :)
Nach dem Ausflug in die Bierlandschaft kommt jetzt nicht wie in Japan das Autofahren, nein diesmal kommt der Hinweis mit dem Sie/Du-Problem. Natürlich ist Sie eher angebrachtet, da ein Du ältere Leute vielleicht als Beleidigung sehen, aber ist dies wirklich so??? Gute Frage, mich stört ein Du nicht, auch wenn ich die Person nicht kenne, aber ich zähle ja zu den angesprochenen Ausnahmen:
Nur junge Leute und Studenten würden das nicht als unhöflich empfinden.
Aber egal, es gibt eigentlich keine feste Regelung, wann man Sie bzw. Du sagen darf, sowas muss man ausprobieren und selber erkennen, z. B. wird kaum einer in einen Internetforum mit Sie angesprochen, dort ist man ja Mitglied einer Gemeinschaft und kennt sich zwar nicht persönlich, jedoch doch schon ganz gut. Anders ist es wieder bei E-Mail, hier wird schon oft die Sie-Form verwendet, da man hier die Personen oft auch nicht enger kennt.
Ist Deutschland lockerer und offener geworden??? Ja, nein??? Ich sage beides, ja, da die heutige Jugend nicht mehr so streng mit Sitten umgeht wie die frühere und nein, weil die jetzigen Eltern der Jugend, noch genauso ist wie während ihrer Jugendzeit. Das einzige was sich geändert hat, das die strengere Großelterngeneration langsam immer weniger wird, und die lockerere und offenere jüngere Generation immer mehr Zuwachs bekommt.
Noch ein kleiner Tipp am Rande, die Schlusslichter von tagesschau.de sind wirklich immer sehr interessant. Wo bekommt man sonst mit, dass z. B. in Holland drei Viertel der 1,5 Millionen aus Ärger über ihren Nachbarn, umziehen.
Linksammlung:
- Teil 1: USA
- Teil 2: China
- Teil 3: Japan
- Teil 4: Spanien
- Teil 5: Großbritanien
